Für Bankmitarbeiter gehören Veränderungen zum Alltag – wie der Regen zum Wetter.

Wie ist es mir als Bankmitarbeiter möglich, mich auf solche Veränderungen einzustellen?
Vor allem dann, wenn ich die Veränderung nicht als erfrischenden Sommerregen, sondern als bedrohliche Schlechtwetterfront erlebe?
Werde ich vom Regen überrascht, ist es eine normale Reaktion, erst einmal Schutz zu suchen. Man stellt sich mit dem Gedanken unter, dass es bestimmt gleich wieder aufhört.

Unsere Gewohnheiten sind solche Dachvorsprünge, unter denen wir Schutz suchen. Dazu gehören eingefahrene Arbeitsweisen genauso wie liebgewordene Kollegen und Kunden. Je länger ich an meinen Gewohnheiten festhalte, umso mehr stehe ich mit dem Rücken zur Wand und werde handlungsunfähig. Warum? Ich fange an, mich an anderen zu orientieren und mein  Weitergehen an Bedingungen festzumachen.

Jede Veränderung will gelernt sein, denn keiner macht etwas gern, worin er nicht gut ist oder sich nicht auskennt. Das ist auch der Grund, wieso es uns so schwer fällt, Veränderungen mitzumachen. Motivation ist es, was wir benötigen, um uns zum Handeln zu bringen. Also einen Regenschirm, der uns in jedem Veränderungsschauer leichter weitergehen lässt. Sehen wir uns diesen Motivationsschirm einmal genauer an. Der Stiel ist die Antwort auf die Sinnfrage: Wieso wird diese Veränderung eigentlich durchgeführt? Was wäre, wenn diese Veränderung nicht durchgeführt werden würde? Was passiert, wenn nur ein Teil auf den Weg gebracht wird? Was wird durch diese Veränderung Gutes bewirkt?

Eine Veränderung erscheint uns nämlich nur dann gut, wenn wir erkennen, wer alles davon profitiert. Jeder Schritt, den ich aus eigenem Antrieb von dem Dachvorsprung wegmache, gibt mir das gute Gefühl, alles im Griff zu haben und selbstbestimmt die Veränderung anzunehmen. Je länger ich mit dem Rücken zur Wand stehe, also nur auf Forderungen reagiere, umso mehr gerate ich dadurch unter Druck.

Mit dem Gestell sind unsere Emotionen während der Veränderung gemeint. Stehe ich nur unter dem Dachvorsprung und lasse mich von meinen alten Gewohnheiten in Sicherheit wiegen, kann es passieren, dass ich mich frage, warum ich überhaupt aus dem Haus gegangen bin. Ist das der Fall, frustriert mich schon der kleinste Regentropfen. Stelle ich mir dann noch vor, wie nass ich werde, wenn ich weitergehe, wird es richtig ungemütlich. Konzentriere ich mich aber darauf, wie ich unter dem Gestell gehe, meinen Kopf mittig halte und nicht in Pfützen trete, wird eine Veränderung zum Spaziergang.

In der Praxis steht das Prinzip dahinter, nicht einfach nur Mindestmaß abzuliefern. Stattdessen könnte ich mir überlegen, wie ich die gestellten Anforderungen authentisch umsetze. Oder wie ich meine Arbeit richtig gut mache. Je mehr ich mich auf den Weg der Veränderung konzentriere, umso besser werde ich und umso mehr macht es mir Spaß, Neues zu erleben und auszuprobieren.

Der Stoff ist der dritte Bestandteil unseres Motivationsschirms und schützt uns davor, Vergleiche anzustellen. Fange ich an, die Regenschirme der anderen zu sehen, wie groß, schön und bunt sie sind, lasse ich meinen Schirm entmutigt sinken und werde nass. In der Veränderung geht es nicht darum, zu beobachten, wie die Kollegen mehr wissen, bessere Kunden haben oder in netteren Teams arbeiten.

Im Veränderungsschauer kommt es darauf an, dass ich meinen Motivationsschirm aufspanne, fest im Griff behalte und mich auf meinen individuellen Weg konzentriere.

Keine Frage, es kostet Überwindung, den ersten Schritt zu machen. Doch es ist leichter, mit einem Regenschirm weiterzulaufen, als mit einem Dachvorsprung.

Tanja Härter, Coach und Trainerin
Erschienen im Marktführer 2015, Vorsprung durch Menschen, Sparkasse Hildesheim

Haerter Methode – Presseartikel Marktführer 2015

 

Veränderungsschauer – oder was hat ein Regenschirm mit Motivation zu tun?

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